Biologische Gründe für die Abhängigkeit

Was passiert mit meinem Körper, während ich rauche?

In der ersten Sekunde gelangt der Rauch in den Mund und verursacht dort auf den Zähnen einen braunen Film. Durch Giftigen Feinstaub entstehen an Zunge und Schleimhäuten Entzündungen. Da der Rauch die Flimmerhärchen in der Luftröhre lahmlegt, können keine Schadstoffe mehr abtransportiert werden.

Nach sieben Sekunden gerät das giftige Kohlenmonoxid schon in das Blut. "Es verbindet sich dort mit dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin, der für den Sauerstofftransport zuständig ist. Dadurch wird die Sauerstoffzufuhr zu den lebenswichtigen Organen eingeschränkt", sagt Facharzt Dr. Thomas Hering Folge. Dadurch nimmt die Leistungsfähigkeit ab. Nachdem das Nikotin in den Blutkreislauf gelangen ist, geht es sofort in das Gehirn. "Dort heftet es sich an Rezeptoren, die eine Sturmflut des Glückshormons Dopamin freisetzen."

Fünf Minuten später erreicht der Dopaminlevel wieder seinen Normalzustand. Jetzt braucht der Körper allerdings wieder mehr, die Entzugserscheinungen zeigen sich in Form von Unkonzentriertheit, innerer Unruhe und Gereiztheit.


Warum kann ich nicht mehr aufhören?

Biologischer Hintergrund, warum es zu einer Abhängigkeit kommt

Der Grund dafür, dass sehr viele Menschen nicht aufhören können zu rauchen und somit abhängig sind, liegt in einem Inhaltsstoff der Tabakpflanze – dem Nikotin. Ganz allgemein gesagt, beschreibt die WHO (Weltgesundheitsorganisation) Abhängigkeit, als „einen seelischen, eventuell auch körperlichen Zustand, der dadurch charakterisiert ist, dass ein Mensch trotz körperlicher, seelischer oder sozialer Nachteile ein unüberwindbares Verlangen nach einer bestimmten Substanz oder einem bestimmten Verhalten empfindet, das er nicht mehr steuern kann und von dem er beherrscht wird.“ Das ist alles gut zu wissen, aber wie genau im Detail kommt es nun zu so einem unbezwingbaren Verlangen?

Wie schon erwähnt ist Nikotin, eigentlich ein eigenproduziertes Schädlingsbekämpfungsmittel der Tabakpflanze, verantwortlich für diesen starken Drang nach Zigaretten. In einer davon sind 13 mg Nikotin enthalten, wovon ein bis zwei Milligramm pro Zigarette aufgenommen werden. Beim Rauchen wird dieser Stoff über die Lunge im Blut aufgenommen und erreicht nach nur wenigen Sekunden das Gehirn. Dort bindet es sich an Rezeptoren, welche eigentlich für die lebenswichtigen Neurotransmitter, also den Botenstoffen des Nervensystems, bestimmt sind. Genau gesagt dockt das Nikotin im ventralen tegmentalen Areal, dem Hirnbereich, in dem positive Gefühle entstehen, an und stimulieren im Belohnungszentrum (Nucleus accumbens) des Gehirns die Freisetzung von Dopamin. Dopamin ist ein Neurotransmitter, welcher eben, genau wie Serotonin, positive Gefühlserlebnisse weiterleitet. Durch den dadurch erhöhten Dopaminspiegel im Belohnungszentrum des Gehirns kommt ein zwanghaftes Verlangen nach Nikotin zustande. Unterstützt wird dieser Vorgang zusätzlich durch die durch Nikotin in diesen Hirnregionen bedingte Freisetzung von zwei weiteren Neurotransmittern, Glutamat und GABA (Gamma-Aminobuttersäure). Das ist der erste Schritt in die Abhängigkeit, wobei man hier auch von der physischen Abhängigkeit spricht. Das Schlimme hierbei ist, dass der Körper sich immer mehr an das Nikotin gewöhnt und nach und nach immer mehr Nikotinrezeptoren bildet. Das Resultat daraus ist, dass stetig größere Mengen an Nikotin notwendig sind, um die gewünschte Wirkung zu erzielen oder um Entzugssymptome, wie Reizbarkeit, innerer Unruhe, Angst, schlechte Stimmung, Konzentrationsprobleme, verstärkter Hunger und Appetit, zu übergehen. Das ist etwas ähnlich wie beim Essen von Süßigkeiten. Fängt man einmal an, kann man kaum wieder aufhören. 

Neben dem Dopaminausschüttungen im Belohnungszentrum des Gehirns kommt es auch dazu, dass noch ein weiterer Bereich im Gehirn durch das Stimulieren von anderen Dopaminbahnen betroffen ist – nämlich der präfrontale Cortex. Klingt erstmal gefährlich, ist er aber nicht. Dieser Bereich im Gehirn ist z.B. an Lernvorgängen beteiligt. Daher kommt es, dass Rauchen mit bestimmten Situationen in Verbindung gebracht wird, wie beispielsweise dem morgendlichen Kaffee oder der Zigarette gemeinsam mit Freunden. Aber auch Handlungen und Empfindungen (z.B. Geschmack, Geruch) in Verbindung mit Rauchen erinnern das Gehirn an das Verlangen nach Nikotin. Genau dieser Effekt macht es Rauchern auch so schwer aufzuhören, da schon Kleinigkeiten aus unserer Umgebung diesen meist unüberwindbaren Drang hervorrufen können. Das ist die zweite Komponente einer Abhängigkeit, die psychische Abhängigkeit.

Um also Rauchern die Entwöhnung zu erleichtern, sollte der öffentliche Raum rauchfrei sein. Somit könnte man zumindest die psychische Abhängigkeit aushebeln. Gegen die physische Abhängigkeit kann man jedoch auch etwas tun. Weitere Informationen finden Sie hier.



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